Nachruf zum Tod von Jazz-Legende Max Greger

Nachruf Max Greger

Falsch spielen, aber so gekonnt, dass aus einem einfachen Musikstück eine virtuose Stegreifkomposition wird. Max Greger war einer von den wenigen, die das gut können.

Es ist ein schmerzlicher Verlust, denn dieser Musiker gehörte zu den Großen. Zumal im Jazz, zumal in Deutschland. In der Nacht auf Samstag starb Max Greger mit 89 Jahren nach langer Krebserkrankung in München. Der Klarinettist, Saxofonist und Band-Leader hat wie wenige das alltagskulturelle Leben der Nachkriegszeit geprägt. Paul Kuhn wäre in diesem Umfeld noch zu nennen oder Hugo Strasser - mit beiden trat Greger im Alter gerne auf, füllte Stadien und Stadthallen, begeisterte ein legendenhungriges Publikum, das sich mit wohligem Schauder an eine Zeit erinnern wollte, die, vielen Nachgeborenen unbegreiflich, eine sehr glückliche war. Deutschland war zerbombt, man hungerte, es gab nur noch eine Richtung: aufwärts.

Max Greger hat in der Kapelle des Trompeters Charly Tabor mitgespielt, stand später sogar einmal mit Louis Armstrong und Duke Ellington auf der Bühne. Aber da war er schon berühmt. Anfangs ging es darum, von den Meistern des Swing gelobt zu werden. Von denen, die in der ursprünglichen Sechs- bis Siebenmannbesetzung antraten mit Melodie-Trompete und verzierender Klarinette, mit Posaune, später auch Saxofon, der Rhythmusgruppe mit Klavier oder Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Jazzlegende Max Greger

Max Greger war so ein Begeisterter und Begeisterer. Als ihm sein Großvater 1936 ein Akkordeon schenkte, war es um den Zehnjährigen geschehen. Die Laufbahn als Musiker war festgelegt, am Münchner Konservatorium studierte er Klarinette und Saxofon, geriet gegen Ende des Krieges aber noch unter Hitlers letztes Aufgebot. Nach dem Krieg dann die Chance auf den US-Casinobühnen, 1948 die Gründung einer eigenen Band: das "Max-Greger-Sextett", für den Swing in den Clubs, tagsüber nannte man sich das "Enzian-Sextett", für den Bayerischen Rundfunk.

Greger gelang es, musikalische Würde zu wahren

Der spätromantische Komponist aus der Oberpfalz und der Metzgersohn aus dem Münchner Arbeiterviertel Giesing hatten nichts gemein außer einem ähnlich klingenden Namen und einem ähnlich starken Hang zur edlen Akustik. Für die einen waren Namen wie Max Greger einfach nur Reizwörter, dazu gehörten auch andere ehemals großartige Künstler, die ihren beruflichen Lebensabend gewinnbringend im Fernsehen verlebten. Anneliese Rothenberger etwa, Bert Kaempfert, später auch Peter Alexander, Udo Jürgens. Aber deren Talente lagen dann schon weniger im Musikalischen als in der Darbietungskunst - der Verkaufe also, oder der Bühnenbegabung, wie man damals sagte, dem Show-Talent. Dies zu besitzen, oder an dessen Besitz zu glauben, hat sich dann als alles überlagernde Kunstform irgendwann verselbständigt.

Video von Max Greger live

Max Greger & Orchester - Swing Time 1975

Ausschnitt aus der TV-Show 'Musik ist Trumpf' mit Peter Frankenfeld

Quelle Text: Süddeutsche Zeitung